Internet Corporation for Assigned Names and Numbers

Welche Aufgaben erfüllt ICANN?

Um mit einer anderen Person über das Internet Kontakt aufnehmen zu können, müssen Sie eine Adresse eingeben – das heißt konkret, einen Namen oder eine Nummer. Diese Adresse muss eindeutig sein, damit sich Computer lokalisieren können. Aufgabe von ICANN ist es hierbei, diese eindeutigen Identifikatoren weltweit zu koordinieren. Ohne eine solche Koordinierung gäbe es kein global einheitliches Internet.

ICANN wurde 1998 als gemeinnützige Partnerschaft von Menschen weltweit gegründet und widmet sich seither der Sicherheit, Stabilität und Interoperabilität des Internets. Sie fördert den Wettbewerb und entwickelt Richtlinien zu den Unique Identifiers des Internets.

ICANN kontrolliert keine Inhalte im Internet. Die Verhinderung von Spam-Mails und die Gewährung von Internetzugängen gehört ebenfalls nicht zu den Aufgaben von ICANN. Doch aufgrund ihrer Rolle bei der Koordinierung des Internet-Namenssystems hat die Organisation einen großen Einfluss auf die Erweiterung und Entwicklung des Internets.

Was ist das Domain Name System?

Das Domain Name System oder DNS ist ein System, mit dem das Internet für die Benutzer zugänglich gemacht werden soll. Die Computer mit Internetzugang finden sich hauptsächlich durch eine Reihe von Nummern, wobei jede Nummer (als "IP-Adresse" bezeichnet) einem anderen Gerät entspricht. Es ist jedoch für Menschen schwierig, sich lange Zahlenreihen zu merken, weshalb das DNS Buchstaben statt Zahlen verwendet und eine exakte Reihe von Buchstaben mit einer exakten Zahlenreihe verknüpft.

Das Ergebnis davon ist, dass die ICANN-Website unter "icann.org" anstatt unter "192.0.34.163" gefunden werden kann – die Zahlenreihe, unter der die anderen Computer im Netzwerk die Website kennen. Ein Vorteil dieses Systems – abgesehen davon, dass das Internet dadurch benutzerfreundlicher wird – ist, dass ein bestimmter Domänenname nicht für immer mit einem bestimmten Computer verknüpft sein muss, da die Verknüpfung zwischen einer bestimmten Domäne und einer IP-Adresse schnell und einfach geändert werden kann. Dank permanenter Aktualisierungen der DNS-Infrastruktur wird diese Änderung innerhalb von 48 Stunden im gesamten Internet erkannt. Daraus ergibt sich ein extrem flexibles System.

Ein Domänenname umfasst zwei Elemente: vor und nach dem Punkt. Der Teil rechts des Punktes, wie "com", "net", "org" usw., wird als "Top-Level Domain" oder "TLD" bezeichnet. Jeweils ein Unternehmen (als "Registry" bezeichnet) ist für alle Domänen mit einer bestimmten TLD verantwortlich und hat Zugriff auf eine umfassende Liste aller Domänen direkt unter diesem Namen sowie auf die IP-Adressen, mit denen diese Namen verknüpft sind. Der Teil vor dem Punkt ist der Domänenname, den Sie registrieren und der dann verwendet wird, um Online-Systeme, wie Websites, E-Mail usw., zur Verfügung zu stellen. Diese Domänen werden von einer Vielzahl von "Registrierungsstellen" zu einem von ihnen festgelegten Preis verkauft. In jedem Fall bezahlen die Registrierungsstellen jedoch eine Gebühr pro Domäne an die Registrierung, unter deren Namen die Domäne registriert ist.

ICANN unterzeichnet Verträge mit den einzelnen Registrierungen*. Sie führt auch ein Akreditierungssystem für Registrierungsstellen. Diese Verträge bieten dann eine nachhaltige und stabile Umgebung für das Domain Name System und somit das Internet.

Zusammenfassend kann man sagen, das DNS bietet ein Adresssystem für das Internet, damit die Benutzer die gewünschten Websites finden können. Es stellt außerdem die Grundlage für E-Mails und viele andere Online-Funktionen dar.

Was hat ICANN mit IP-Adressen zu tun?

ICANN spielt eine ähnliche administrative Rolle, wie sie sie bei von Benutzern verwendeten Domänennamen spielt, auch in Bezug auf die von Computern verwendeten IP-Adressen. So wie Domänennamen nicht doppelt vorkommen dürfen (anderenfalls wüsste man nie, auf welcher Website man landet), so ist es aus demselben Grund nicht möglich, dass IP-Adressen doppelt vorkommen.

Auch hier steuert ICANN nicht das System, hilft aber dabei zu koordinieren, wie IP-Adressen bereitgestellt werden, um Wiederholungen oder Konflikte zu vermeiden. ICANN ist also das zentrale Repository für IP-Adressen, von dem Bereiche an die regionalen Registrierungen vergeben werden, die diese wiederum an die Netzwerkanbieter weitergeben.

Was sind Root-Server?

Root-Server sind wiederum ein ganz anderer Fall. Es gibt 13 Root-Server – oder, genauer gesagt, 13 IP-Adressen im Internet, unter denen Root-Server zu finden sind (die Server, die eine der 13 IP-Adressen aufweisen, können sich an Dutzenden unterschiedlicher physischer Standorte befinden). Diese Server speichern jeweils eine Kopie derselben Datei, die als Hauptindex für die Adressbücher des Internets fungieren. Sie listen eine Adresse für jede Top-Level Domain (.com, .de usw.) auf, unter der sich die Adresse dieser Registrierung befindet.

In der Realität werden die Root-Server relativ selten konsultiert (wenn man die Größe des Internets bedenkt), da die Computer im Netzwerk die Adressen aller Top-Level Domains speichern, wenn Sie sie einmal erhalten haben, und regelmäßig prüfen, ob sich die Adresse in der Zwischenzeit nicht geändert hat. Nichtsdestotrotz sind die Root-Server von entscheidender Bedeutung für das reibungslose Funktionieren des Internets.

Die Betreiber der Root-Server sind weitgehend anonym, arbeiten jedoch untereinander und mit der ICANN zusammen, um sicherzustellen, dass das System bei allen Fortschritten und Veränderungen des Internets aktuell bleibt.

Welche Rolle spielt ICANN?

Wie bereits erwähnt, ist es die Aufgabe der ICANN, das enorme und komplexe Netzwerk von Unique Identifiern zu überwachen, die es Computern im Internet ermöglichen, sich gegenseitig zu finden.

Dies wird gemeinhin als "universal resolvability" (universelle Auflösbarkeit) bezeichnet und bedeutet, dass Sie überall im Netzwerk – und damit überall auf der Welt – dieselben vorhersehbaren Ergebnisse erhalten, wenn Sie auf das Netzwerk zugreifen. Anderenfalls könnte es passieren, dass das Internet vollkommen unterschiedlich funktioniert, je nachdem, wo auf der Welt sich die Benutzer befinden.

Wie ist ICANN strukturiert?

ICANN setzt sich aus einer Reihe verschiedener Gruppen zusammen, die alle unterschiedliche Interessen am Internet vertreten und alle zu den endgültigen Entscheidungen beitragen, die ICANN trifft.

Es gibt drei unterstützende Organisationen (Supporting Organisations), die Folgendes vertreten:

  • Die Organisationen, die mit IP-Adressen arbeiten
  • Die Organisationen, die mit Domänennamen arbeiten
  • Die Manager von länderspezifischen Top-Level Domains (ein besonderer Fall, wie unten auf der Seite erläutert)

Es gibt vier Ausschüsse (Advisory Committees), die der ICANN mit Rat und Empfehlungen zur Seite stehen. Diese vertreten folgende Einrichtungen:

  • Regierungen und internationale Organisationen
  • Betreiber von Root-Servern
  • Mit der Sicherheit des Internets befasste Organisationen
  • Die durchschnittlichen Internet-Benutzer (At-Large-Community)

Und schließlich gibt es eine Technical Liaison Group, die mit den Organisationen zusammenarbeitet, die die grundlegenden Protokolle für Internet-Technologien ausarbeiten.

Die finalen Entscheidungen der ICANN werden vom Board of Directors getroffen. Das Board besteht aus bis zu 21 Mitgliedern: 15 der Mitglieder haben ein Stimmrecht und sechs sind nicht stimmberechtigt. Die Mehrheit der Mitglieder mit Stimmrecht (acht von ihnen) werden von einem unabhängigen Nominating Committee gewählt, die übrigen werden von den Mitgliedern der Supporting Organisations nominiert.

ICANN hat außerdem einen Präsidenten und CEO, der auch ein Mitglied des Boards ist und die Arbeit der ICANN-Mitglieder leitet. Diese befinden sich überall auf der Welt und tragen dazu bei, die Vielzahl von Diskussionen und Entscheidungen, die von den Supporting Organisations und Advisory Committees getroffen werden, zu koordinieren, zu verwalten und letztendlich umzusetzen. Ein Ombudsmann der ICANN fungiert als unabhängiger Prüfer der Abeit der ICANN-Mitarbeiter und des -Boards.

Wie trifft ICANN ihre Entscheidungen?

Im Hinblick auf technische Änderungen am Internet kann der Prozess vereinfacht folgendermaßen beschrieben werden:

Sämtliche Probleme oder vorgeschlagene Änderungen am bestehenden Netzwerk werden typischerweise in einer der Supporting Organisations aufgeworfen (oft gefolgt von einem Bericht von einem Advisory Committee), wo sie diskutiert werden und ein Bericht erstellt wird, den die Öffentlichkeit dann einsehen kann. Wenn die vorgeschlagenen Änderungen Auswirkungen auf eine andere Gruppe im ICANN-System haben, prüft diese Gruppe auch die vorgeschlagenen Änderungen und teilt ihre Ansichten mit. Das Ergebnis wird dann erneut der Öffentlichkeit vorgelegt.

Am Ende dieses Prozesses wird dem ICANN-Board ein Bericht mit allen vorangegangenen Diskussionen und einer Liste mit Empfehlungen zur Verfügung gestellt. Das Board diskutiert dann die Angelegenheit und genehmigt alle Änderungen, genehmigt einige der Änderungen und lehnt andere ab oder sendet die Angelegenheit zur Prüfung zurück zu einer der Supporting Organisations, oftmals mit einer Erläuterung, welche Probleme bestehen und vor der Genehmigung gelöst werden müssen.

Der Prozess wird dann erneut durchlaufen und alle Teile der ICANN können einen Kompromiss aushandeln oder das Board of Directors trifft eine Entscheidung im Hinblick auf einen vorgelegten Bericht.

Wie legt ICANN Rechenschaft ab?

ICANN muss sowohl extern als auch intern Rechenschaft ablegen.

Extern unterliegt ICANN den Gesetzen des Bundesstaates Kalifornien in den USA. Das bedeutet, dass ICANN die Gesetze der USA einhalten muss und von der Justiz zur Rechenschaft gezogen werden kann, das heißt ICANN kann vor Gericht gestellt werden.

ICANN ist eine gemeinnützige Organisation und ihre Directors sind haftbar im Hinblick auf die Erfüllung ihrer Pflichten nach den geltenden Gesetzen.

Intern ist ICANN der Community gegenüber folgendermaßen rechenschaftspflichtig:

  • Durch ihre Statuten
  • Die representative Zusammensetzung des ICANN-Boards mit Personen aus allen Teilen der Welt
  • Ein unabhängiges Nominating Committee, das die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder des Boards auswählt
  • Senior-Mitarbeiter, die jährlich vom Board gewählt werden müssen
  • Drei unterschiedliche Vorgehensweisen zur Lösung von Streitigkeiten (Board Reconsideration Committee, unabhängiges Review Panel; Ombudsman)

Eine umfassende Liste der Rahmenbedingungen und Grundsätze zur Rechenschaftspflicht und Transparenz der ICANN sind online verfügbar.


* Es gibt eine wichtige Ausnahme hierfür in Form von "länderspezifischen Top-Level Domains" (ccTLDs), wie .de für Deutschland oder .uk für Großbritannien. Es gibt über 250 ccTLDs, von denen einige einen Vertrag mit der ICANN hab en. Andere haben Arbeitsvereinbarungen mit der ICANN unterzeichnet und einige haben noch keine formelle Vereinbarung mit der ICANN unterzeichnet. ICANN führt jedoch die so genannte "IANA-Funktion" aus, das heißt die Hauptadresse aller ccTLDs wird erfasst, damit die übrigen Internetseiten sie finden können. ICANN befindet sich auch in der Position, neue TLDs zu einem weiteren System hinzuzufügen, wie in den Jahren 2000 und 2004 geschehen, als sieben bzw. sechs neue TLDs "zum Rootsystem hinzugefügt wurden".

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